Hund kastrieren ja oder nein

Soll ich meinen Hund kastrieren lassen oder nicht?

Mit dieser Frage beschäftigen sich Hundebesitzer mindestens einmal in Leben ihres Hundes. Immer mehr wird sich Gedanken gemacht, ob eine Kastration nun Sinn oder Unsinn ist und oft ist diese Überlegung mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden. 

Wir haben uns mit dem Thema Hund kastrieren ja oder nein einmal beschäftigt und dir die wichtigsten Punkte für deine Überlegungen zusammengetragen. 
Warum wird ein Hund kastriert?

Für eine Kastration gibt es viele Gründe. 

Es gibt hierzu sogar eine Studie von Dr. Gabriele Niepel vom Jahr 2002, in der den Gründen und Auswirkungen einer Kastration bei Hunden auf den Grund gegangen wird. 

  1. Medizinische Gründe, die für eine Kastration sprechen
  2. Vor allem Hündinnen werden oft sehr früh kastriert, da man möglichen zukünftigen Krankheiten vorbeugen möchte. Allerdings sollte hier bedacht werden, dass durch eine Kastration das Risiko anderer Erkrankungen erhöht wird und eine Operation auch mit nicht unerheblichen Risiken für den Hund verbunden sein kann. 
  3. Kastration um das Zusammenleben zu vereinfachen
  4. Bei Mehrhundehaltung soll so eine unkontrollierte oder unerwünschte Fortpflanzung verhindert werden. Hier wäre auch eine Sterilisation eine geeignete Alternative.
  5. Oft wird sich eine Veränderung im Verhalten des Hundes erhofft, aber viele Verhaltensweisen werden nicht durch die Geschlechtshormone gesteuert und weder Testosteron noch Östrogen spielen nicht nur bei der Fortpflanzung eine große Rolle.

So kann es durchaus passieren, dass eine Kastration keine Veränderung des unerwünschten Verhaltens zur Folge hat, ja dieses sogar verschlimmert. 

Im Tierschutzgesetzt von Deutschland im §6 ist wird festgehalten, wann eine Kastration bei Hunden durchgeführt werden darf. Gesetzlich ist diese nur dann erlaubt, wenn sie medizinisch indiziert ist, eine unkontrollierte Fortpflanzung verhindert werden soll oder zur weiteren Haltung des Tieres notwendig ist und keine tierärztlichen Bedenken im Raum stehen. Zur Vorbeugung möglicher zukünftiger Krankheiten des Hundes wird hier nicht erwähnt. 

Es erfordert also vor jeder Kastration eine Einzelfallprüfung, daher sind auch Klauseln zur Verpflichtung einer Kastration in Vermittlungsverträgen von Tierschutzhunden rechtlich nicht zulässig. Auch hier muss von Fall zu Fall entschieden werden unter Beachtung der in Deutschland vorhandenen  Haltungsbedingungen. 

Was ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass der Begriff „Kastration“ der medizinische Eingriff bei Rüden beschreibt und „Sterilisation“ bei Hündinnen.
Bei einer Kastration werden die hormonproduzierenden Keimdrüsen des Hundes entfernt. Beim Rüden sind das die Hoden, bei Hündinnen die Eierstöcke. 
Bei der Sterilisation werden die keimableitenden Wege wie Samen- und Eileiter durchtrennt oder (teilweise) entfernt, sodass keine Keimzellen mehr transportiert werden können. 

Beide Eingriffe machen den Hund unfruchtbar. 

Der Vorteil der Sterilisation ist dann, dass hier nicht in den Hormonhaushalt des Hundes eingegriffen wird. Der Nachteil kann dann sein, dass die hormonell bedingten Verhaltensweisen und mögliche zukünftige Erkrankungen bestehen bleiben. 

Kann eine Kastration Verhaltensprobleme lösen?

Es kann hier nicht pauschal mit Ja oder Nein geantwortet werden.
Ist die unerwünschte Verhaltensweise durch Sexualhormone ausgelöst, kann in manchen Fällen eine Kastration Abhilfe schaffen. Bei falsch gelerntem Verhalten oder fehlender Erziehung wird die Kastration keine Veränderung herbeiführen. Sie kann in einigen Fällen sogar eine Verschlimmerung zur Folge haben. 

Bei folgenden Verhalten kann eine Kastration hilfreich sein:

  • Hündin neigt während Läufigkeit vermehrt zum Streunen
  • Rüde büxt ständig aus und markiert mit Urin im Haus
  • Jaulen, Unruhe, wenig Futteraufnahme
  • Hypersexualität
  • Vermehrtes Aufreitverhalten von Junghunden hat meist aber keinen sexuellen Hintergrund und dient eher dem Stressabbau in Konfliktsituationen oder Langeweile. Auch vermeintliche Konkurrenten werden so in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Es ist somit sehr wichtig, genau zu beobachten, warum der Hund gerade das Besteigverhalten zeigt. 

War vorher irgendeine Weise von Balzverhalten zu sehen?

Leckt oder beschnüffelt der „Besteiger“ den anderen Hund ausgiebig im Genital- und Analbereich und aktiviert sein Jacobsonsches Organ, das erkennst du an einem zähflüssigen Absondern von Speichel zusammen mit Zähneklappern und einem leichten Kräuseln der Oberlippe?
Zeigt dein Hund keines dieser Verhalte, handelt es sich meist auch nicht um ein sexuelles Aufreiten und die Kastration wird keine Veränderung mit sich bringen, im Gegenteil kann das Verhalten sogar verschlimmern. 

Auch bei Aggressivität ist nicht gesagt, dass nach einer Kastration eine Besserung in Sicht ist. Meist gibt es nicht DEN einen Grund, warum ein Rüde aggressiv wird. 
Zeigt dein Rüde nur gegenüber anderen potenten Rüden eine erhöhte Aggression, mit Hündinnen oder nicht geschlechtsreifen und kastrierten Rüden aber nicht, kann eine Kastration hier tatsächlich Abhilfe schaffen. 

Ebenfalls ist die Kastration eine Lösung, wenn zwei Rüden in einem Haushalt leben, sicher aber als sexuelle Konkurrenten wahrnehmen und es zu massiven Beißvorfällen kommt. Es sollte hier der Rüde mit dem geringeren Führungsanspruch gewählt werden. Wichtig ist hierbei, die Kastration frühzeitig bei den ersten Anzeichen durchzuführen, um das beginnende Aggressionsverhalten rechtzeitig einzudämmen. 

Verändert sich das Wesen meines Hundes durch eine Kastration?

  • Stoffwechsel und Fütterung

Die Hormone stellen sich sofort nach der Kastration um. Der Grundstoffwechsel verringert sich um ca. 30%, da die Verbrennungsleistung in der Zellatmung zurückgeht. Die Hunde benötigen nun nicht mehr so viel Energie wie vorher. Die fehlenden Hormone lassen das Sättigungsgefühl des Hundes später eintreten. Deshalb muss unbedingt die Fütterung angepasst werden um Übergewicht zu vermeiden. Es sollte nicht einfach die Futtermenge reduziert werden, da es so zu Mangelerscheinungen aufgrund fehlender Vitamine und Mineralien kommen kann. Die bessere Wahl ist es, ab dann ein energiereduziertes Futter einzusetzen. 

  • Veränderung des Temperamentes

Was sich kaum verändern wird ist das Temperament des Hundes. Aktive Hunde werden auch aktiv bleiben. 

  • Aggressionsverhalten

Es kann zu vermehrter Aggression gegenüber Lebewesen kommen, die dem Rudel fremd sind. Verantwortlich hierfür ist die vermehrte Wirkung des Prolaktins, welches für das Brutpflegeverhalten verantwortlich ist. Verhaltensweisen, die durch Cortisol gesteuert werden, werden durch eine Kastration schlimmer, da die Geschlechtshormone als Gegenspieler zum passiven Stresshormon Cortisol fungieren. Aggressionen beim Fressen oder bei Angst werden durch eine Kastration nicht verändert. Auch bei Trennungsangst spielt Cortisol mit, wodurch eine Kastration die Probleme verstärkt. 

  • Jagdverhalten

Die Sexualhormone wirken mehr dämpfend auf den Jagdinstinkt des Hundes, sodass es nach einer Kastration zu einem gesteigerten Jagdtrieb kommen kann. 

  • Veränderung einer Hündin

Hündinnen, die sich ganzjährig rüpelhaft zu Artgenossen jeden Alters und Geschlechts verhalten, werden durch die Kastration nicht besser, es kann sogar zu einer Verschlimmerung kommen. Sie verhalten sich eher männlich, markieren das Revier mit Beinheben und verteidigen stark ihr Revier. Grund dafür ist der vorgeburtliche Einfluss des mütterlichen Testosterons, da dieses plazentagängig ist. 

Ein solches Verhalten bei Hündinnen kann aber auch schon im Mutterlaib programmiert werden. Lag die Hündin im Mutterbauch zwischen mehreren männlichen Geschwistern, kann über die Nabelschnur das Testosteron von ihren Brüdern in den Blutkreislauf der Hündin gelangen. Hier wird dann das Gehirn mit männlichem Verhalten programmiert. Wird solch eine Hündin dann in ihrem Leben kastriert, fällt das Gegensatzhormon Östrogen weg und das Testosteron kann seine volle Wirkung entfalten, was sich mit Sicherheit negativ auf ihr Verhalten auswirken wird.
Somit kann man sagen, dass eine Kastration bei Rüden und Hündinnen Veränderungen im Wesen bewirken kann. Diese müssen aber nicht immer positiv ausfallen. 

Wann ist für eine Kastration der richtige Zeitpunkt?

Wenn kein medizinischer Grund vorliegt, sollte eine Kastration frühestens nach der Pubertät in Erwägung gezogen werden. Du kannst dich nach dem Ende der 3. Läufigkeit deiner Hündin richten. Je nach Rasse und Größe ist das zwischen dem 12. und 24. Monat. Dieser Zeitraum ist auch für Rüden passend. 

Doch warum das Ende der Pubertät für eine Kastration abwarten?

In der Pubertät verändert sich der Körper sowie das Gehirn des Hundes. Erst nach Abschluss der Pubertät wird sich dein Hund wie ein typischer erwachsener Hund verhalten und erst jetzt kannst du einschätzen, ob eine Kastration nötig wird. Wird die Kastration vor dem Abschluss durchgeführt, kann es zu körperlichen Problemen im Bewegungsapparat und Herz-Kreislauf kommen. Zudem kann der Hund in der Pubertät stecken bleiben. In dem Fall ist eine Nachsorge unumgänglich. Physiotherapie und verhaltensstabilisierende sowie stressbewältigende Trainingsschritte müssen nun frühzeitig unterstützend eingesetzt werden, um Risiken zu minimieren und die Lebensqualität von Hund und Mensch zu verbessern. 

Kann es durch eine Kastration zu Nebenwirkungen kommen?

  • Inkontinenz

Diese tritt meist bei kastrierten Hündinnen auf. Durch die Hormonveränderung kann es sein, dass der Schließmuskel nicht mehr richtig schließt, besonders im Schlaf. Je schwerer die Hündin, desto eher die Wahrscheinlichkeit der Inkontinenz. Auch leiden verschiedene Rassen eher an der Blasenschwäche wie andere. Zum Beispiel Hündinnen der Rottweiler, Dobermänner, Boxer oder Riesenschnauzer.

  • Änderungen im Fell

Bei langhaarigen Hündinnen oder Hündinnen mit rotem Fell kann ein verstärktes Wachstum der Unterwolle auftreten. Die Rüden können ein stumpfes und flauschiges Fell erhalten. Auch ein symmetrischer Haarausfall im hinteren Bereich kann bei beiden Geschlechtern auftreten. 

  • Übergewicht

Oft ist bei kastrierten Hunden eine Gewichtszunahme zu beobachten. Da sie weniger Energie benötigen und das Sättigungsgefühl verspätet eintritt, muss die Fütterung nach der Kastration angepasst werden. 

  • Tumore

Oft wird die Hündin früh kastriert um Gebärmutterkrebs vorzubeugen. Dieser Eingriff ist nicht nur unzulässig gemäß dem deutschen Tierschutzgesetzt, sondern das Risiko gerade durch eine Kastration an weiteren Tumoren zu erkranken steigt enorm. Das Risiko der Rüden an Prostatatumoren zu erkranken steigt um das 3fache, Hündinnen können an After- und Schließmuskeltumoren erkranken. Bei beiden Geschlechtern steigt das Risiko von Tumoren an Herz, Milz und Knochen. 

  • Bewegungsapparat

Gelenkfehlbildungen und Gelenkschäden 
Kreuzbandrisse (Grund ist Muskelabbau und Bindegewebsschwäche ohne Testosteron)

  • Demenz im Alter

Orientierungslosigkeit
Vergesslichkeit
Vermehrte Nervosität
Aggressivität
Schlafstörungen

Wann ist eine Kastration zwingend erforderlich?

Bei einigen Erkrankungen ist eine Kastration unumgänglich.

Bei Hündinnen können dies folgende Krankheiten sein:

  • Bösartige Tumore an Eierstöcken, Gebärmutter, Gesäugeleisten oder Hoden und Analbereich
  • Gebärmuttervereiterung bzw. -entzündung
  • Vaginalhyperplasien(abnormalen Anschwellen des Scheidengewebes in den Zyklusphasen Proöstrus und Östrus)
  • Vaginalprolapsen (Scheidenvorfällen)
  • Diabetes mellitus

Bei Rüden können dies folgende Krankheiten sein:

  • Bösartige Hodentumore
  • Regelmäßige Hodenentzündungen
  • Hodenverletzungen
  • Bösartige Prostatatumore sowie Perianaltumore oder Perinealhernie (Dammbruch)
  • Beidseitiger Hodenhochstand

Gibt es Alternativen zur chirurgischen Kastration? 

Ein Chip-Implantat kann bei Rüden eingesetzt werden, um sie kurzzeitig hormonell zu entspannen und unfruchtbar zu machen. Der enthaltene Wirkstoff verlangsamt die Produktion bestimmter Hormone, die für den Sexualzyklus nötig sind. Die Hormonproduktion kann dann zwischen sechs und zwölf Monate komplett heruntergefahren werden. Die Hoden eines gechipten Rüden werden auffallend kleiner. Nach Ender der Wirkung des Chips ist der Rüde dann wieder voll fortpflanzungsfähig. Ein Chip sollte nicht vor dem Ende des Wachstumsprozesses eingesetzt werden, da er Einfluss auf die Verknöcherung der Wachstumsfuge sowie auf Veränderungen im Bewegungsapparat haben kann. 

Bei Hündinnen gibt es derzeit leider noch keine medikamentöse Alternative zur chirurgischen Kastration, ohne massive Nebenwirkungen. 

Auf was muss ich nach einer Kastration achten?

Du solltest nach einer Kastration in der Haltung und Fütterung deines Hundes einiges beachten. Wie oben schon erwähnt, hat diese enorme Einflüsse auf die körperliche und geistige Gesundheit deines Hundes.

  • Die Ernährung

Um Übergewicht zu vermeiden, musst du die Ernährung deines Hundes umstellen. Der neue Futterplan sollte einen reduzierten Energie- und Fettgehalt berücksichtigen. Einen größeren Anteil an Pflanzenfasern zu gewährleisten hilft deinem Hund, schneller ein Sättigungsgefühl zu erlangen. Mineral- und Vitamingehalt muss ausgewogen und angepasst sein. Eventuell sollten auch Chondroitinsulfate oder Glukosamine gefüttert werden, da diese als Gelenkschutzfaktoren wirken. 

  • Die Bewegung

Halte deinen Hund altersentsprechend fit. Bei körperlichen Einschränkungen sollte über eine physiotherapeutische Behandlung oder einen unterstützenden Osteopathen nachgedacht werden. 

  • Das Training

Durch eine Kastration wird die Hirnfunktion eingeschränkt und der Hund ist anfälliger für Stress. Verhelfe seinem Hund zu selbstverschafften Erfolgserlebnissen. Der dadurch erhöhte Dopamin-Spiegel wirkt der übermäßigen Cortisol-Produktion entgegen und dient darüber hinaus auch vorbeugend gegen mögliche Demenzerscheinungen. 

Fazit zum Thema Kastration ja oder nein

Du solltest durch eine Kastration nicht auf Wunder hoffen und sie wird in keinem Fall die Erziehung oder eine Verhaltenstherapie ersetzen. 
Vor einer endgültigen Kastration ist es zu empfehlen, den Implantationschip auszuprobieren. Er unterdrückt die Sexualhormonproduktion zweitweise und so kannst du für die Wirksamkeitsdauer des Chips das Verhalten des Hundes besser beurteilen. Ggfls. Kannst du in der Zeit auch einen entsprechenden Hundetrainer an deiner Seite engagieren. 

Quelle

Martin Rütter
 

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