Häufiges Krankheitsbild bei einem Pferd - das Hufgeschwür

21. Dezember 2020 I Pferdegesundheit

Plötzliche Lahmheit beim Pferd kommt häufig von einem Hufgeschwür. Hier ist eine eitrige und sehr schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut entstanden.
So häufig es vorkommt, so gutstehen aber auch zum Glück die Heilungschancen bei der richtigen Behandlung.

Erfahre hier etwas über die Symptome, die Therapie sowie die Vermeidung von Hufgeschwüren.

Die häufigste Lahmheitsursache beim Pferd

Die Lahmheit deines Pferdes trifft dich meist unerwartet und plötzlich. Dein Pferd hat sichtbar Schmerzen und möchte den entsprechenden Huf, der meist pulsiert, nicht mehr belasten.

Ein Schock! Schließlich treffen solche Symptome auch auf weit schlimmeres zu, wie z.B. einen Bruch.

Gott sei Dank ist die Ursache meist harmloser und treffen eher auf ein Hufgeschwür zu. Zunächst kannst du dich beruhigen, die Heilungschancen sind in diesem Fall weitaus besser.

Trotz allem muss deinem Pferd fachmännisch geholfen werden und du solltest diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das Hufgeschwür bringt deinem Pferd dann extrem starke Schmerzen und kann sich, wenn nicht oder falsch behandelt wird, zu einer Hornsäule oder Schlimmerem ausweiten. Dies kann dann nur noch operativ behandelt werden, kostet weit mehr Zeit und die Therapiekosten sind deutlich höher.

Was genau ist ein Hufgeschwür?

Das Hufgeschwür oder auch Hufabszess ist eine eitrige Entzündung im Huf zwischen dem Sohlen- oder Wandhorn und der Huflederhaut. In dieser Gegend bildet sich eine Blase voll mit Eiter gefüllt, die dann starken Druck auf die empfindliche Lederhaut ausübt und das Pferd somit lahmt. Die Entzündung an dieser Stelle ist so extrem schmerzhaft, da sehr viele Blutgefäße und Nervenbahnen durch die Huflederhaut führen.

Die Eiterherde können hier meist nicht von selbst abfließen, da die Hornwand zu hart ist. Das Hufgeschwür weitet sich aus und wandert von der Sohle durch den Huf nach oben. Wird das Geschwür nicht entdecke oder behandelt, kann es passieren, dass die Eiterblase dann am Kronsaum aufbricht und eine Hornsäule bildet.

Was sind die Symptome eines Hufgeschwüres?

Je eher eine Hufgeschwür erkannt und behandelt wird, je schneller hat sich das Pferd davon erholt.

Erstes Anzeichen ist wohl die Lahmheit, die erkannt wird. Zudem stellt das Pferd sein Huf ungewöhnlich nach vorne und versucht, diesen zu entlasten.
Meist ist die Lahmheit plötzlich, kann sich aber auch langsam entwickeln und immer stärker werden. Auch ein vermehrtes Liegen des Pferdes ist möglich, um den Huf zu entlasten.

Tastest du den Huf ab, so merkt man eine deutliche Wärme im Gegensatz zu einem gesunden Huf. An der Fessel ist ein deutliches Pulsieren zu spüren.

Übersicht der Hufgeschwür- Symptome:

  • Lahmheit des Pferdes
  • Kranke Huf ist wärmer als die anderen Hufe
  • Deutliches Pulsieren an der Fessel
  • Entlasten des schmerzenden Hufes

Was sind die Ursachen eines Hufgeschwüres?
Warum kommt es so häufig vor?

Diese Fragen lassen sich nicht so leicht beantworten. Die Ursachen können vielfältig sein.

Äußere Einflüsse, wie das Eintreten eines Steinchens oder längeres Stehen im Matsch können eine Ursache sein. Auch mangelnde Hufpflege, keine artgerechte Fütterung, falsche Hufbehandlung oder andere Huferkrankungen können das gemeine Geschwür auslösen. Genetische Veranlagung können die Entwicklung begünstigen.

Wie dem auch sei, es ist immer wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um vielleicht ein weiteres Hufgeschwür zukünftig zu vermeiden.

Mögliche Ursachen eines Hufgeschwüres:

  • Eintreten eines Steinchens
  • Langes Stehen im Matsch
  • Mangelnde Hufpflege
  • Keine artgerechte Fütterung
  • Falsche Hufbehandlung
  • Andere Huferkrankungen
  • Genetische Veranlagung

Folgende Fragen könntest du dir stellen, um der Ursache auf den Grund zu gehen:

  • War die letzten Tage ein besonderes Vorkommnis in Bezug auf dein Pferd?
  • War der Hufschmied oder Hufpfleger da?
  • Habt ihr euren letzten Ausritt über viel Schotterwege unternommen?
    Fremdkörper sind eine häufige Ursache. Auch falsches Setzen eines Nagels.
  • Hat dein Pferd Fehlstellungen der Hufe?
  • Liegen Verletzungen am Kronrand vor?
    Manche Pferde treten sich bei Bewegung selbst mit dem Hinterhuf in den Kronrand des Vorderhufes und verletzten sich damit selbst (Krontritt).
  • War das Wetter in der letzten Zeit extrem nass und feucht?
    Matschiger und aufgeweichter Boden, aber auch extreme Trockenheit können die Pferdehufe belasten und zu Geschwüren führen.
  • Auch der Stall sollte unter die Lupe genommen werden. Schlechte Hygiene- Bedingungen, zu feuchtes Einstreu, mangelnde Belüftung oder auch warme, abgestandene Stallluft begünstigen ein Hufgeschwür.
  • Beobachte auch die Hornstruktur und mögliche Veränderungen dieser. Hat dein Pferd vermehrt leichte Rillen, Risse oder Spalten im Huf? Wenn die Hornwand angegriffen ist, können Bakterien leichter eindringen.
  • Überprüfe auch die Fütterung deines Pferdes. Verträgt dein Pferd alles, was er bekommt? Wurde sein Futter jüngst umgestellt? Ist die Fütterung artgerecht?
    Ernährung spielt für die Hufe deines Pferdes eine erhebliche Rolle. Kleinste Veränderungen und damit einhergehende Stoffwechselprobleme können Hufgeschwüre begünstigen.
  • Ist dein Pferd im Fellwechsel?
    Während des Fellwechsels hat dein Pferd und sein Organismus sehr viel zu tun und ist weitestgehend ausgelastet. Auch hier kann es zu Stoffwechselproblemen kommen, die indirekt ein Hufgeschwür auslösen können.
  • Wenn Hufgeschwüre bei deinem Pferd immer wieder auftreten, könnte eine genetische Veranlagung für Hufkrankheiten der Grund sein.

Nächster Schritt bei Verdacht auf Hufgeschwür

Bei Anzeichen und Symptomen für ein Hufgeschwür solltest du unbedingt zeitnah deinen Tierarzt und/ oder Hufschmied kontaktieren.
Da diese Hufkrankheit äußerst schmerzhaft für dein Pferd ist, solltest du schnell handeln.

Dein Tierarzt oder Hufschmied wird mit einer Zange am Huf die sogenannte Zangenprobe durchführen, um das Geschwür zu orten. Hierzu drückt er die Hufzange auf unterschiedliche Bereiche am Huf, auch die Strahl- und Ballenregion, und prüft so die Druckempfindlichkeit. Sobald dein Pferd plötzlich den Huf wegzieht, ist das Geschwür gefunden.

Bei Unklarheiten kann der Tierarzt auch röntgen, um evtl. Haarrisse, Brüche oder einen Nageltritt auszuschließen.

Therapie eines Hufgeschwüres

Nach der Ortung des Geschwüres muss es schnellstmöglich geöffnet werden, dass der Eiter abfließen kann und der Druck nachlässt. Danach wird es deinem Pferd schlagartig besser gehen. Liegt das Geschwür nah am Hufrand, reicht es oft aus, wenn der Tierarzt oder Hufschmied mit einem Messer über die Sohle kratzt, um den Eiterherd zu öffnen. Liegt es allerdings tiefer, muss ein trichterförmiges Loch in den Huf geschnitten werden.


Lässt sich der Abszess nicht öffnen, kann es sein, dass er noch nicht soweit ist und es wird ein feuchter Hufverband angelegt. Meist wird hier ein Anguss- Hufverband oder ein klassischer Prießnitz- Umschlag eingesetzt. Sauerkraut gilt als altes Hausmittel, um zusätzlich zu unterstützen. Es wird auf die Sohle gedrückt und der Verband wird dann angelegt.

Beim Anguss- Verband wird erst Verbandwatte um den kranken Huf gelegt und fixiert, am besten mit selbsthaftenden Bandagen. Oben sollte ein Stück Watte herausschauen. Zusätzlich von unten mit Panzertape umwickelt, hält dieser meist auch beim Laufen des Pferdes.

Niemals den Verband so fest anlegen, dass die Blutzufuhr abgeschnürt wird. Du kannst das testen, indem du einen Finger an der Fessel unter den Verband schiebst. Der Finger sollte locker unter den Verband passen, ohne dass dieser verrutscht. Um ein austrocknen des Anguss- Verbands zu verhindern, solltest du 2 - 3 x täglich Wasser von oben auf die Watte gießen. So gewährleistest du, dass der Huf feucht bleibt und die Sohle und das Horn aufweichen.

Das Hufgeschwür ist offen - was nun?

Das Aufweichen des Hufes dauert nur wenige Tage, dann kann der Abszess geöffnet werden. Nicht wundern, wenn dann stinkendes und schwarz-gräuliches Sekret herausläuft, das ist ein gutes Zeichen. Sollte der Ausfluss allerdings gelb sein, sollte das Pferd schnellstmöglich in die Tierklinik, denn dann könnten die Bakterien bereits das Hufbein angegriffen haben.

Ist der dunkle Eiter einmal abgelaufen, kann man normalerweise den Hufverband weglassen. Das immer noch vorhandene Loch muss täglich gereinigt und desinfiziert werden und mit einem Tupfer verschlossen werden, dass keine Bakterien hineingelangen. Hier kann auch mit einem lockeren Verband und Wattepfropf gearbeitet werden. Meist ist nach ein paar Tagen alles soweit verhornt, dass das Loch zu ist und die Verbände und Tupfer weggelassen werden können.

Wann kann das Pferd wieder bewegt werden?

Dein Pferd kannst du wieder wie gewohnt bewegen, sobald alles zugewachsen ist. Dies kann je nach Tiefe und Größe der Wunde bis zu vier Wochen dauern. Am besten besprichst du die aktuelle Situation mit deinem Tierarzt.

Wenn dein Pferd stark lahmt und nicht schmerzfrei ist, sollte es auch nicht mit seinen Kumpels auf die Weide, sondern besser in der Box bleiben, bis sich der Zustand verbessert hat. Sobald der Huf wieder besser belastet wird kann das Pferd raus, auch ist es in manchen Fällen möglich, es mit Feuchtverband auf die Koppel zu lassen, wenn dieser stabil genug angelegt ist.

Schmerzmittel wird nur in Einzelfällen und mit Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt gegeben, da der Wirkstoff das Reifen des Geschwüres behindern kann und somit der Heilungsprozess verzögert wird.

Wie kann ich Hufgeschwüren vorbeugen?
Kann ich sie sogar ganz vermeiden?

Gründe für Hufkrankheiten, wie dem Hufgeschwür:

  • Nicht artgerechte Fütterung
  • Schlechtes Stallklima
  • Zu feuchter Boden
  • Mangelnde Hufpflege

Das Gute daran ist, dass dies alles Punkte sind, die sich relativ leicht vermeiden lassen, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt. So senkst du relativ gut das Risiko für Hufgeschwüre.

Da die Ursachen so vielfältig sind, kann man leider nie ganz verhindern, dass sich nicht doch mal ein Hufgeschwür entwickelt.

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